Abgrenzen durch ein bestimmtes und höfliches NEIN

Abgrenzen durch ein bestimmtes und höfliches NEIN

Auf den Artikel NEIN ist ein ganzer Satz! aufbauend möchte ich Ihnen in diesem Beitrag einige einfache Strategien an die Hand geben, die Ihnen das Nein-Sagen erleichtern.

Einen Grund liefern

Haben Sie schon einmal von einem Ihrer Gesprächspartner den Satz gehört „Diese Entscheidung ist für mich nicht nachvollziehbar“? Falls ja, können Sie sich dies zunutze machen. Auch wenn ein Nein einen ganzen Satz darstellt, stoßen Sie auf weniger Widerstand bei Ihrem Gesprächspartner, wenn Sie ihm einen Grund für Ihr Nein liefern. Des Weiteren lässt sich beobachten, dass es Menschen leichter fällt Nein zusagen, wenn sie sich über den Grund dafür im Klaren sind.

Die Gewichtigkeit des Grundes ist zweitrangig. Viel entscheidender ist, dass überhaupt ein Grund genannt wird.

Hier einige Beispiele:

  • Ich kann diesen Brief heute nicht mehr schreiben, weil ich meiner Frau versprochen habe, sie zum Bahnhof zu fahren.
  • Ich kann dir diese Aufgabe nicht abnehmen, weil mir dazu viele wichtige Hintergrundinformationen fehlen.
  • Ich kann Ihnen leider keinen weiteren Rabatt einräumen, weil wir hier schon einen sehr günstigen Sonderpreis angesetzt haben.

 

Nein-Antworten vorbereiten

Nein sagen fällt den meisten Menschen – vor allem jedoch Perfektionisten – schwer, weil sie denken, den Anderen damit zu verletzen. Damit einher geht dann die kritische Frage „Was wird der Andere jetzt über mich denken?“. Selbst wenn Sie Nein sagen wollen und sich das fest vorgenommen haben, schaffen Sie es nicht, es im entscheidenden Moment tatsächlich zu sagen. Statt dessen weichen Sie aus, geben nach – und am Ende kommt beim Gegenüber doch ein „Ja“ an. Die Folge: Sie ärgern sich über sich selbst. Deshalb sollten Sie Ihre Nein-Antworten auf typische Situationen vorbereiten.

Überlegen Sie, für welche typischen Situationen, in denen Ihr Chef, Ihr Kollege oder ein Kunde Sie um etwas bittet, das Sie nicht gewähren können oder wollen, Sie eine Nein-Antwort benötigen. Schreiben Sie diese Antworten wortwörtlich so auf, wie Sie sie sagen wollen oder sollten, am besten auf eine Karteikarte, die Sie in Griffweite legen. Als Formulierungshilfe können Sie sich an den vorgenannten Beispielen orientieren.

 

Üben

Nachdem Sie sich einen Grund für ein Nein überlegten und die Nein-Antwort wohlformuliert niederschrieben, kommt der schwerste Teil. Das Nein aussprechen. Vielen Menschen fällt es trotz guter Vorbereitung schwer, ein Nein auszusprechen. Daher üben Sie das Nein-Sagen. Im Zeitalter des Smartphone können Sie sich selbst beim Nein-Sagen aufnehmen, analysieren und an den Feinheiten arbeiten. Alternativ können Sie das Nein-Sagen auch mit einem Vertrauten üben.

 

Was bekomme ich für ein Ja?

Wenn Sie zu einer Forderung oder Bitte Ja sagen werden Sie etwas dafür bekommen. In der Regel mehr Arbeit, die zu Lasten Ihres Zeitkontos geht. Seien Sie sich bewusst, dass Sie Einfluss auf das, was Sie bekommen, nehmen können. Fordern Sie eine Gegenleistung für Ihr Ja ein. Eine Gegenleistung könnte ein zeitlicher Aufschub sein, die Übernahme einer Ihrer Aufgaben oder deren Priorisierung.

Beispiele für den zeitlichen Aspekt:

  • Ich kann die Aufgabe übernehmen. Jedoch komme ich erst morgen dazu. Ist das in Ordnung?
  • Ich kann dir die Daten aufbereiten. Jedoch habe ich noch zwei andere Aufgaben zu erledigen. Ich könnte am Donnerstag damit beginnen.

Beispiele für die Übernahme einer Aufgabe beziehungsweise deren Priorisierung:

  • Gern übernehme ich diese Aufgabe. Derzeit stehen noch drei andere Aufgaben an. Bitte sagen Sie mir, welche für Sie aktuell die wichtigste ist.
  • Ich kann diese Aufgabe für dich übernehmen. Könntest du mich dafür morgen bei der Projektbesprechung vertreten?

 

Das Anbieten von Alternativen

Eine Alternative anbieten ist die charmante Art, Nein zu sagen. Die Kunst liegt darin, dem Gesprächspartner eine Alternative zu bieten, mit der Sie seiner Bitte entsprechen, die für Sie aber lediglich einen geringen Mehraufwand bedeutet.

Beispiele:

Kollege: „Können Sie diese Teilaufgabe innerhalb des Projektes übernehmen?“

Antwort: „Ich habe bis Freitag eine Präsentation und ein Meeting vorzubereiten. Daher stelle ich Ihnen gern meine Unterlagen zur Verfügung.“

Kollege: „Haben Sie gerade 5 Minuten Zeit?“

Antwort: „Im Moment nicht. Sie können mir jedoch eine Email mit Ihrem Anliegen schreiben, und ich komme auf Sie zu, sobald ich Zeit habe.“

Vorgesetzter: „Können wir heute Abend noch den Bericht durchgehen?“

Antwort: „Ich habe meiner Frau versprochen, mit ihr ins Theater zu gehen. Sie können mir aber den Ausdruck mitgeben und ich schaue mir den Bericht gleich morgen früh an.“

 

Prioritäten festlegen

Mit einem Nein setzen Sie Prioritäten. Sie bestimmen, was Ihnen wichtig ist. Antworten Sie auf jede Bitte mit „Ja“, bestimmen Ihre Gesprächspartner über Ihre Prioritäten.

Bleiben Sie mit Ihrem Nein bestimmt – jedoch freundlich, sachlich und respektvoll. Bedenken Sie, dass der Ton die Musik macht. Letztendlich entscheiden Sie, wann Sie einer Bitte oder einem Gefallen nachkommen oder diese ablehnen. Wenn Sie Ja sagen, sollten Sie dies auch so meinen und nicht aus einem schlechten Gewissen heraus Ihre Zustimmung geben.

 

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