“Ich bin nichts wert” – und die damit verbundenen Risiken

“Ich bin nichts wert” – und die damit verbundenen Risiken

„Ich fühle mich wertlos“ oder „Ich bin nichts wert“ sind Sätze, mit denen ich in Coaching- und Therapiesitzungen häufig konfrontiert werde. Gerade im Sprachgebrauch von Perfektionisten und Menschen mit einem übersteigerten selbstkritischen Blick sind diese Sätze stark vertreten.

Noch bevor einer dieser Sätze gesagt wird, verändern sich Mimik und Gestik der Klienten und die Stimmung geht in den Keller. In Sekundenbruchteilen sind Antriebsverlust und eine gedrückte Stimmung in den Vordergrund getreten.

 

Geringe Selbstachtung und Depression

In einer Metastudie werteten Baseler Wissenschaftler knapp 100 Langzeitstudien aus und überprüften zwei Modelle, die für unterschiedliche Wirkrichtungen stehen. Bei den Modellen handelt es sich um das Vulnerabilitätsmodell und das Scarmodell. Bei dem Vulnerabilitätsmodell geht man davon aus, dass eine geringe Selbstachtung die Betroffenen für eine Depression anfällig macht. Den umgekehrten Einfluss beschreibt das Scarmodell. Danach ist schlechtes Selbstwertgefühl nicht Vorbedingung, sondern Folge des Gemütsleidens.

Was die Depression angeht, bestätigten die Ergebnisse das Vulnerabilitätsmodell: Der Einfluss der Selbstachtung auf Depressionen war stärker als die umgekehrte Wirkung der Depression auf das Selbstwertgefühl. Oder mit anderen Worten: Wer ein schlechtes Selbst-wertgefühl hat, muss mit einem höheren Depressionsrisiko rechnen – aber wer unter Depressionen leidet, verliert nicht unbedingt an Selbstachtung. In Bezug auf Angststörungen waren beide Wirkrichtungen in etwa gleich stark. Wer eine geringe Meinung von sich selbst hat, trägt ein höheres Risiko, Panikattacken, eine Phobie oder eine andere Angststörung zu entwickeln (Vulnerabilitätsmodell). Ebenso galt, dass die andauernde, übertriebene Furcht offenbar mit der Zeit Wunden hinterlässt, die das Selbstwertgefühl aushöhlen (Scarmodell). (Quelle: Psychologie Heute, Mai 2013)

 

Gefühl und Gedanke

Gefühle, Mimik und Gestik beeinflussen unser Denken. Andersherum beeinflusst unser Denken auch unsere Empfindungen.

Im Selbstcoaching (hier in verkürzter Form) lässt sich bereits durch ein paar Fragen die aktuelle Situation analysieren und der eigene Selbstwert lässt sich stabilisieren beziehungsweise ausbauen. Nehmen wir als Beispiel den Gedanken „Ich fühle mich wertlos“:

  1. Welche emotionale Qualität hat der Gedanke (Trauer, Scham, Wut, Furcht, Verachtung, usw.)?
  2. Welche Körperhaltung nehme ich bei dem Gedanken ein?
  3. Was nehme ich in meinem direkten Umfeld wahr, das dieses Gefühl in mir weckt und mich in die aktuelle Körperhaltung bringt?
  4. Mit welcher Körperhaltung fühle ich mich gut und dem direkten Umfeld gewachsen?
  5. Mit welcher emotionalen Qualität geht die neu eingenommene Körperhaltung einher (Freude, Überraschung, Wut, Mut, usw.)?
  6. Was hat sich verändert, wie wahr ist der Gedanke nun?

Bei Fragen einfach fragen!

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