Ich habe das Unternehmen meiner Eltern übernommen, aber eigentlich wollte ich Tierarzt werden!

Die Ebene der perfektionistischen Besorgnis: Erwartungen der Eltern

„Ich habe das Unternehmen meiner Eltern übernommen, aber eigentlich wollte ich Tierarzt werden!“

Die Erwartungen der Eltern sind die höchste Hypothek die ein Perfektionist mit auf seinen Lebensweg bekommt.

 

Mach uns stolz!

Schon in jungen Jahren wird ein Mensch direkt oder auch indirekt mit den Erwartungen seiner Eltern konfrontiert. Sei es bei sportlichen Aktivitäten oder in der Schule. Eltern fördern ihre Kinder, was auch sinnvoll ist, sofern der Spaß und das Wohl des Kindes im Vordergrund stehen. Jedoch kann es auch vorkommen, dass Eltern sich mit den Leistungen und Erfolgen Ihrer Sprösslinge schmücken und dadurch den Betroffen in eine Perfektionsfalle treiben, die da heißt: „Mach uns stolz!“

So wird ein junger Mensch zum Perfektionisten erzogen. Der einmal erzielte Erfolg soll reproduziert werden. Ob das nun der 1er Notendurchschnitt ist oder der erste Platz in der Klasse der Elfjährigen bei der Vereinsmeisterschaft im Tennis. Als guterzogenes Kind will der Perfektionist die Erwartungen seiner Eltern erfüllen.

Aus seiner Erziehung heraus weiß der Perfektionist „Nur für gewünschte Leistung gibt es Anerkennung“. Das hat zur Folge, dass er sich und andere Menschen nur über die Leistungen wahrnimmt, beziehungsweise definiert und die emotionale Ebene komplett ausblendet.

 

Du übernimmst das Unternehmen!

Ein Beispiel aus der Praxis:

Einer meiner Klienten ist Ende dreißig und arbeitet seit fast 10 Jahren im Unternehmen seiner Eltern. In den nächsten ein bis zwei Jahren soll er das Unternehmen übernehmen. Grund für die Arbeit mit mir waren seine Niedergeschlagenheit und die zunehmenden Konflikte mit seinem Vater.

Während unserer Zusammenarbeit kristallisierte sich heraus, dass er seit einem Schulpraktikum bei einem Tierarzt in diesem Beruf arbeiten wollte. Seine Eltern, vor allem sein Vater, hatten aber andere Pläne für ihn. Er sollte das Familienunternehmen übernehmen und die Familienehre weitertragen. Und diese Erwartungen wurden meinem Klienten auf unterschiedliche Weise angetragen.

 

So lange du deine Füße unter meinen Tisch steckst!

Den ersten großen Eklat gab es, als mein Klient seiner Familie eröffnete, dass er nach dem Abitur Veterinärmedizin studieren wolle. Seine Eltern sahen jedoch ein BWL-Studium für ihn vor. Die lautstarke Diskussion wurde mit dem Satz: „So lange du deine Füße unter meinen Tisch steckst, machst du, was ich sage“ seitens des Vaters beendet. Und so quälte sich mein Klient durch das BWL-Studium, dass er nur durch umfangreiche Nachhilfe, welche vom Vater bezahlt wurde, schaffte.

Wie es sich für einen Perfektionisten der Anerkennung will gehört, hatte mein Klient im Laufe der Zeit eine Strategie entwickelt, um Belohnung und Anerkennung für seine Arbeit von seinen Eltern zu erhalten. Je länger er im Unternehmen war, desto höher wurden auch die Erwartungen seines Vaters.

Aus der Erfahrung wusste mein Klient was geschieht, wenn er die Erwartungen nicht erfüllt. So übernahm er die vorgelebte und erlernte Erwartungshaltung und trug sie weiter. Dadurch erreichte er weitere Konflikte in seinem Umfeld und schaffte etwas, was er nie wollte: „Ich wollte nie so werden wie sein Vater!“

 

Hinterfragen der Erwartungen

Wie ich eingangs bereits schrieb, ist die größte Hypothek die ein Mensch mit auf seinen Lebensweg bekommt, die Erwartungen der Eltern. Es ist sinnvoll, sich diese Erwartungen bewusst zu machen und zu hinterfragen. Manchmal sind diese Erwartungen überholt oder können durch eine Alternativstrategie individuell angepasst werden.

 

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