Perfektionismus ist in unserer Unternehmenskultur gerne gesehen

In einem vor kurzem geführten Akquisegespräch sagte mir der verantwortliche Mitarbeiter: „Wissen Sie, Herr Hupke, das Thema Perfektionismus ist interessant, jedoch ist es kein Thema mit dem ich in der Organisation offene Türen einrenne. Zum Leidwesen unserer Mitarbeiter ist in unserem Unternehmen Perfektionismus gerne gesehen und gewollt.“

Einerseits ist es erfüllend und sinngebend, sich in seiner Arbeit an der Ebene des perfektionistischen Strebens zu orientieren, andererseits ist dies leider nur selten der Fall. Die Regel ist ein bewusstes, beziehungsweise unbewusstes Leben und Handeln im Rahmen der perfektionistischen Besorgnis.

Die Betroffenen sind in den Unternehmen überwiegend mit der Fehlersensibilität, den leistungsbezogenen Zweifeln und den sozial auferlegten Erwartungen konfrontiert, was unter dem Strich zu verängstigten und gestressten Mitarbeitern führt.

 

Quantität geht über Qualität

Im weiteren Verlauf des Akquisegespräches stellte sich heraus, dass in diesem Unternehmen wie in vielen anderen auch, unter den Mitarbeitern der Mythos herrscht, dass die Anwesenheit des Einzelnen höher im Kurs steht als die tatsächlich erbrachte Leistung. Führungskräfte die als erste im Büro sind und als letzte gehen, ihre Mitarbeiter aber dazu anhalten pünktlich Feierabend zu machen, sind die Regel. Aber welches Signal bekommt ein Mitarbeiter durch dieses vorgelebte Verhalten gesendet?

Das Kollegium trägt durch Kommentare und Verhalten auch zu dieser Irritation bei. Situationen, wie das Gehen eines Kollegen um 17:45 Uhr, wird mit dem Kommentar: „Wie, schon Feierabend, hast wohl einen halben Tag Urlaub?“ begleitet. Das erinnert an den Witz mit dem Beamtenmikado, nur dass hier derjenige verliert, der zuerst nach Hause geht.

 

Das Wie ist häufig wichtiger als das Was

Perfektionisten neigen dazu, eine vermeintliche Sicherheit in Regeln, Prozessbeschreibungen, Organigrammen und mehrseitigen Stellenbeschreibungen zu suchen. Das eigentliche Ziel der Abteilung und des Unternehmens wird dabei zweitrangig. Wichtiger ist die einhundertprozentige Einhaltung eines Ablaufes als das tatsächliche Ergebnis. Hierzu ein kurzes Beispiel aus der Praxis. Ein Vertriebsmitarbeiter, der sein Jahr mit einhundertzwanzigprozent Zielerfüllung abschloss, erhielt von seinem Vertriebsleiter im Jahresgespräch eine schlechtere Beurteilung, weil er den vertriebsinternen Dokumentationsvorgaben nur im allernötigsten nachkam. Dem Vertriebsleiter war es wichtiger, durch lückenlose Dokumentation der vertrieblichen Abläufe gegenüber dem Marketing und der Produktion unangreifbar zu sein, als mit seinem Team Umsatz zu generieren.

 

Was wäre wenn?

Zum Abschluss dieses Beitrags möchte ich Sie auf eine gedankliche Reise mitnehmen in ein Unternehmen, frei von Perfektion. Und obwohl wir wissen, dass es nie eintreten wird, können wir doch für einen kurzen Moment so tun als ob und in Gedanken die nachfolgenden Fragen beantworten:

  1. Wie würde sich das Klima in dem Unternehmen verändern, wenn Mitarbeiter ohne Angst, für einen Fehler sanktioniert zu werden, arbeiten würden?
  2. Welche Auswirkung hätte es auf die Leistung eines Mitarbeiters wenn er Entscheidungskompetenz erhielte und lediglich die Zwischenergebnisse und das Endergebnis mit der Führungskraft besprechen würde?
  3. Wie wäre es für eine Führungskraft, ohne die Gedanken „Alles muss über meinen Tisch gehen“ oder „Ich muss über alles informiert sein“ ihre Mitarbeiter zu führen?

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit

 

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