überkritisch, gehässig, abwesend

Für Perfektionisten und Menschen mit einer überzogenen Selbstkritik wurde der Grundstein für diese Ausprägung in den meisten Fällen bereits in jungen Jahren gelegt.  

Die Strategie, „immer besser als nur gut zu sein“ ist für einen Perfektionisten im Laufe seines Lebens zum kontextübergreifenden Hauptthema geworden. Häufig diente, beziehungsweise dient diese Strategie dem Schutz vor überkritischen oder gehässigen Kommentaren aus dem näheren (familiären) Umfeld, die sich nach und nach in anderen Lebensbereichen etablierte. Neben dem Schutzfaktor auf der einen Seite hat diese Medaille auch eine Kehrseite: Der ständige Druck, zu versagen beziehungsweise nicht zu genügen, kann zu Störungen auf der psychischen und/oder physischen Ebene führen.

 

Fehlender Perspektivenwechsel

Im Laufe des Erwachsenwerdens eignet sich ein Mensch die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel an. Kleine Kinder jedoch verfügen noch nicht über diese Fähigkeit. Sie haben die Neigung, alles was ihnen geschieht auf sich zu beziehen. Weiterhin sind für kleine Kinder die Eltern das Maß aller Dinge. Sind Mutter oder Vater oder sogar beide dem Kind gegenüber kritisch, gehässig oder abwesend, bezieht das Kind dies auf sich und stellt sich selbst in Frage. Nähere Verwandte können hier auch ihren Teil zur Prägung beitragen. Wären kleine Kinder in der Lage, den Blickwinkel zu verändern, würden sie erkennen, dass sie häufig die Projektionsfläche für Überforderung, emotionale Unreife oder die eigene unglückliche Kindheit des beziehungsweise der Erwachsenen sind.

 

überkritisch, gehässig, abwesend

Diente ein Kind überwiegend als Projektionsfläche für Kritik, ist sein Perfektionismus als Erwachsener im Bereich Fehlervermeidung und Selbstkritik stark ausgeprägt. Ständig ist der Erwachsene damit beschäftigt, sein Selbstbild zu prüfen und zu hinterfragen, um anderen zu gefallen.

Ähnlich verhält es sich, wenn ein Erwachsener als Kind mit gehässigen Kommentaren konfrontiert wurde. Die ständigen gehässigen Kommentare aus dem Umfeld beschädigen den Selbstwert des Betroffenen. Neben einer Fehlervermeidungsstrategie entwickelt der Perfektionist auch sein eigenes gehässiges, beziehungsweise zynisches Kommunikationsmuster, frei nach dem Motto „Bevor du mich verletzt, verletze ich dich“.

Für Kinder wird häufig die Abwesenheit eines oder beider Elternteile auf physischer Ebene (Arbeitsalltag, Scheidung oder ähnliches) oder psychischer Ebene (psychische- oder Suchterkrankungen) als Leere empfunden. Abwesende Elternteile, die arbeiten müssen, handeln meistens aus der Motivation heraus: „Ich mache das doch nur für dich/euch“. Kleinen Kindern ist es gleichgültig, aus welchem Grund Mutter und/oder Vater abwesend sind und ihnen dadurch keine Aufmerksamkeit zukommen lassen.

Sie nehmen größte Anstrengungen auf sich, um von den Erwachsenen wahrgenommen zu werden und damit eine erneute Abwesenheit zu vermeiden. Dies kann auf zwei Wegen geschehen. Entweder macht das Kind durch auffälliges Verhalten auf sich aufmerksam, was häufig in Konflikte ausartet, oder es passt sich an und erfüllt als braves Kind die Erwartungen der Eltern. Lesen Sie hierzu auch Ich habe das Unternehmen meiner Eltern übernommen, aber eigentlich wollte ich Tierarzt werden!.

 

Perspektivenwechsel

Der Perspektivenwechsel dient dazu, neue Informationen zu erlangen, Abstand zu gewinnen und dadurch die eigene Handlungskompetenz zu erweitern. Jedoch fällt dies vielen Menschen in Bezug auf ihren blinden Fleck schwer. Häufig kann sogar das Gegenteil eintreten. Aus den erlebten Situationen, in denen ein Perspektivenwechsel hilfreich gewesen wäre, hat sich eine Basis gebildet, die es zu verteidigen gilt, und zwar mit allen Mitteln! Eine Möglichkeit, um seinen bisherigen Blickwinkel zu verändern finden Sie hier: Zweifel wegen falscher Entscheidung.

Eine weitere Möglichkeit werde ich Ihnen in einem der nächsten Beiträge näher vorstellen.

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Klientenmeinungen: Xing Coachprofil Peter Hupke

 

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