Vom Aufgeben

Geschlossen

Nach der Schlacht bei Asculum im dritten Jahrhundert vor Christus gegen die Römer soll der griechische König Pyrrhus von Epirus zu einem Vertrauten gesagt haben: “Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“. Im heutigen Sprachgebrauch beschreibt der Ausdruck “Pyrrhussieg” daher einen Erfolg mit erheblichen Verlusten. Oder anders ausgedrückt, es wird ein Sieg erzielt, der einer Niederlage gleich kommt.  

 

Durchhalten um jeden Preis!

Ob im Beruf oder im Privatleben – “Durchhalten” ist die Devise. Immer das Ziel vor Augen behalten und sich nicht beirren lassen! Nur nicht aufgeben! Menschen mit Durchhaltevermögen werden respektiert und bewundert. Andererseits werden Menschen die von ihren Zielen ablassen, Dinge nicht zu Ende bringen, häufig als schwach oder gar als Verlierer gesehen. Auch wenn Durchhalten ein gesellschaftlicher Wert ist, kann dies im Alltag fragwürdige Folgen nach sich ziehen. In den seltensten Fällen bringt eine sture Zielfokussierung den ersehnten Erfolg oder das erträumte Glück. Viel häufiger werden Unsicherheit und Selbstzweifel geweckt, die zermürbend und frustrierend wirken. Dies zerrt nicht nur an der Psyche, sondern auch am körperlichen Wohl.

 

Aufgeben als Option?

Wie oben bereits erwähnt, ist Aufgeben oft mit Schwäche gleichgesetzt. Dabei ist das Aufgeben grundlegendes Werkzeug eines selbstkorrektiven Handelns. In mehreren Studien fand der Motivationsforscher Carsten Worsch heraus, dass Menschen, die in der Lage sind, sich von unerreichbaren Zielen zu lösen, glücklicher sind als diejenigen, die weiterhin daran festhalten. Weitere Forschungsergebnisse zeigen: Wer schwer erreichbare Ziele aufgibt, erfährt eine Steigerung seines körperlichen Wohlbefindens, unter anderem weil die Produktion des Stresshormons Kortisol zurückgeht. Das heißt jetzt nicht, dass wir Ziele und Träume aufgeben sollten, die viel Einsatz und Mühe verlangen. Es bedeutet vielmehr, eine gesunde Balance zwischen Durchhalten und Aufgeben für sich selbst zu finden. Der Philosoph Robert Goodin drückt es so aus: “Gewinner geben ständig auf. Sie tun es nur im richtigen Moment.

 

Der richtige Zeitpunkt

Aufgeben oder das damit verbundene Eingeständnis gescheitert zu sein (mehr zum Thema “Scheitern” finden Sie hier: http://motivationswerkstatt.de/ich-bin-gescheitert-na-und/), fällt schwer. Das liegt vor allem an einem eventuell auftretenden Schamgefühl, das durch die gesellschaftliche Voreingenommenheit gegenüber dem Aufgeben entsteht. Dennoch kann es für das eigene Wohlbefinden förderlich sein, die Aktivitäten bezüglich einer Zielerreichung zu überprüfen und zu entscheiden, ob das Weitermachen oder eher das Aufgeben sinnhaft ist. Dies lässt sich vor allem durch Beobachtungen feststellen. Drohen im Rahmen der Zielerreichung Gefährdungen der geistigen oder der körperlichen Gesundheit, ist die Infragestellung des Vorhabens und der Umsetzungsstrategie unumgänglich. Hierzu empfiehlt es sich, einen Zeitraum festzulegen, in dem die zentrale Aufmerksamkeit auf den Themen körperliches Wohlbefinden, emotionale Lage und einer rationalen Analyse der Situation liegt. Achten Sie daher auf die Emotionen rund um das gesteckte Ziel. Dies beeinflusst maßgeblich den Entscheidungsprozess.

Fragen die hier hilfreich sind:

  • Wie fühle ich mich aktuell auf dem Weg zu meinem Ziel?
  • Bin ich unzufrieden mit dem, was bisher geleistet wurde beziehungsweise mit dem, was noch vor mir liegt?
  • Habe ich Einfluss oder empfinde ich mich als Spielball der Gegebenheiten?

Gerade der letzte Punkt kann hier eine Schlüsselfrage sein. Ein schleichendes Gefühl von Kontrollverlust ist ein Anzeichen dafür, dass die Zielsetzung zu viel abverlangt.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen die vorangegangenen Zeilen bei der Vermeidung eines Pyrrhussieges behilflich sind.

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