Was hilft nachhaltig im Umgang mit dem eigenen Perfektionismus?

In den zurückliegenden Tagen habe ich meine langjährige Arbeit mit Perfektionisten einmal unter der Fragestellung “Was hat meinen Kunden im Umgang mit ihrem Perfektionismus nachhaltig geholfen?” betrachtet.

Dabei bin ich auf einige Punkte gestoßen, die sich unter zwei Überschriften zusammenfassen lassen:

  1. Die Annahme der eigenen Schwächen
  2. Gelassenheit (wurde zu einer Grundeinstellung)

In der Retrospektive sind diese beiden Punkte die Hauptkriterien, die im Laufe der Jahre auch den Umgang mit meinem Perfektionismus veränderten, ohne dass es mir bis jetzt wirklich bewusst war.

Interessant, was ein Mensch über sich erfährt, wenn er sich Zeit für sich nimmt.

 

Annahme der eigenen Schwächen

Ich fange mit den Nachteilen an. Im ersten Moment kann es schmerzhaft sein, mit den eigenen (vermeidlichen) Unzulänglichkeiten konfrontiert zu werden. Es kann auch zu einer Kombination aus Angst und Scham kommen, die aus dem Glaubenssatz “Hoffentlich merkt das/es keiner” resultiert.

Eingefleischte Perfektionisten neigen dazu, eine der beiden nachfolgenden Strategien zu nutzen. Entweder werden “Schwächen vertuscht“, indem Tätigkeiten, bei denen man einen Fehler machen oder sogar scheitern könnte, vermieden werden. Dies kann im schlimmsten Fall zu einer Stagnation beziehungsweise einer Entscheidungsstarre führen.

Oder es werden alle vorhandenen Ressourcen aufgebracht, um die Schwächen auszumerzen, was in einer Überforderung enden kann.

Hierzu ein Beispiel aus der Praxis.

Im Rahmen eines Bewerbungscoaching arbeitete ich mit einer Kundin zusammen, die eine neue Stelle im Bereich der Organisationsentwicklung suchte. Obwohl sie nach ihrem Studium eine Vielzahl von Fort- und Weiterbildungen absolvierte und einige Jahre Berufserfahrung hat, fand sie keine adäquate Stelle.

Im Laufe unserer Zusammenarbeit erzählte sie mir, dass in den bisherigen Vorstellungsgesprächen häufig Anforderungen thematisiert wurden, in denen sie, ihrer Einschätzung nach, wenig bis gar kein Fachwissen besaß.

Themen wie “agiles Projektmanagement”, “digitale Transformation” oder “digitale Learning” wurden angesprochen, was meine Kundin so verunsicherte, dass sie nach jedem Vorstellungsgespräch versuchte, diese neue Lücke zu schließen, um für das nächste Gespräch gerüstet zu sein.

Das ging so weit, dass sie irgendwann resigniert feststellte “Ich kann es keinem recht machen” und ihre tatsächliche Kernkompetenz aus den Augen verlor.

Die Vorteile, die in der Annahme der eigenen Schwächen liegen, überwiegen. So zumindest die Rückmeldung meiner Kunden.

Durch die Bewusstwerdung und Integration von Schwächen entsteht ein Gleichgewicht, welches sich stabilisierend auf Beziehungen auswirken kann. “Wenn mir etwas schwer fällt, frage ich um Hilfe”, wodurch ich die Fähigkeiten anderer anerkenne und wertschätze.

Weiterhin hilft dies bei der Fokussierung auf die eigenen Stärken und ist dadurch Ressourcen schonend. Aufgaben die zu viel Zeit und/oder Geld kosten, werden an Menschen abgegeben, die sich damit gern beschäftigen. Unterm Strich führt dies zu einer inneren Ruhe beziehungsweise Gelassenheit.

 

Gelassenheit

Die zweite Überschrift, unter der sich Punkte für eine nachhaltige Veränderungen des eigenen Perfektionsanspruchs zusammenfassen lassen, lautet Gelassenheit. In der Rückbetrachtung hat sich die Gelassenheit sowohl bei mir, als auch bei meinen Kunden zu einer Grundeinstellung entwickelt.

Ein wichtiger Schritt ist hier die Bewusstwerdung des eignen Handlungsrahmens, also das Erkennen, was veränderbar ist und was sich nicht ändern lässt.

Bei der Beratung von Kunden im Businesskontext beobachte ich häufig, dass die Vorannahme besteht “Ich kann/muss es verändern“. Der Projektleiter reibt sich an der Unternehmensorganisation auf, weil er sie nicht verändern kann oder der Vertriebsleiter verzweifelt daran, dass die Abteilungen Marketing und Kundenbetreuung nicht so arbeiten wie er es sich vorstellt.

Aus dem Glauben heraus “Meine Arbeit könnte besser sein, wenn sich X oder Y ändern würde” ruht der Blick auf den Bereichen, die außerhalb des eigenen Handlungsrahmens liegen, was ein Ohnmachtsgefühl, also das Gefühl, ohne Macht zu sein, auslösen kann.

Auch in anderen Bereichen des Lebens kann es durch so ein Denkmuster zu Frustration und Verzweiflung kommen. In Partnerschaften kommt es häufig zu der Annahme “Wenn er/sie sich ändert, wären wir/wäre ich viel glücklicher“.

Wird die Aufmerksamkeit jedoch auf die Gestaltung der eigenen Aufgaben und Arbeitsabläufe gerichtet, wird irgendwann deutlich, dass innerhalb dieser Bereiche Veränderungspotential vorhanden ist.

Durch das Erkennen von Möglichkeiten und deren Umsetzung erhöht sich die persönliche Selbstwirksamkeit, und Gelassenheit kann sich entfalten. Wirkliche Gelassenheit ist die Annahme dessen, was nicht zu ändern ist. Sie befähigt zu dem aktiven Akt, das Gegebene als Gegebenes anzunehmen.

Eine gelassene Grundeinstellung erlaubt es mir, zufrieden zu sein, auch wenn ich einmal unzufrieden bin. Also manchmal.

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Klientenmeinungen: Xing Coachprofil Peter Hupke

 

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