Wenn ich mir bewusst vornehme zu versagen und das auch mache, inwieweit habe ich dann versagt?

Wenn ich mir bewusst vornehme zu versagen und das auch mache, inwieweit habe ich dann versagt?

Perfektionisten neigen dazu Fehler tunlichst zu vermeiden. Unterläuft ihnen bei einer Tätigkeit dennoch ein Fehler, haben sie aus ihrer Sicht heraus in den Augen anderer und in ihren eigenen Augen versagt. In dem perfekten System ist Versagen nicht vorgesehen.

Des Weiteren gilt: Wer den Fehler macht, einen Fehler zu machen, gerät schnell ins gesellschaftliche Abseits.

 

Fehler sind legitim.

Ein Sprichwort lautet: Aus Fehlern wird man klug, deshalb ist einer nicht genug.

Leider verlieren wir häufig im Laufe der Jahre unsere Fehlertoleranz und Scheitern wird inakzeptabel.

Aber denken Sie einmal zurück an Ihre Kindheit oder, falls Sie Kinder haben, an diese im Kleinkindalter. Wie wackelig waren die Versuche, auf eigenen Füßen zu stehen oder die ersten Schritte zu gehen? Wie oft kam es nach kurzer Zeit zu einer unschönen Kontaktaufnahme mit dem Boden? Versuch über Versuch scheiterte, und dennoch wurde es immer und immer wieder probiert, bis sich ein Erfolg einstellte. Sich ausprobieren, Fehler machen und scheitern war legitim. Es gab die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu sammeln und brauchbare Strategien zu entwickeln.

 

Scheitern verlernen.

Spätestens mit Eintritt in die Schule ändern sich die Möglichkeiten des Ausprobieres jedoch schlagartig. Auf Fehler in Klassenarbeiten wird mit roter Farbe hingewiesen und Eltern setzen alles daran, dass das Kind ja weiterkommt. Bei auftretenden Konflikten in der Schule oder im Sportverein werden diese Konflikte von den Eltern zum Wohle des Sprösslings (manchmal auch nur zum Wohle des Familienfriedens) aus dem Weg geräumt. Leider wird der Heranwachsende dadurch um die Chance gebracht, zu scheitern. Und was wichtig für die Ausbildung von Selbstwert und Selbstbewusstsein ist: Das Kind hat keine Möglichkeit, die Lernerfahrung zu machen, wie man mit Niederlagen und Rückschlägen umgeht.

 

Stigma Scheitern.

Verliert ein Mensch zum Beispiel seine Arbeit, meldet Insolvenz an oder die Ehe geht in die Brüche, kommt es häufig vor, dass der Gescheiterte bedauert, eventuell gemieden oder sogar verurteilt wird.

Betrachten wir uns die eine oder andere Führungskraft, kann man ein unglaublich kreatives Potenzial erkennen, Verdrängungsmechanismen zu entwickeln. Das Scheitern eines Projektes zum Beispiel wird verschwiegen, verharmlost oder schön geredet. Es wird im Nachhinein als wertvolle Erfahrung in einem sonst von Erfolg gekrönten Berufsleben dargestellt. Diese Mechanismen sorgen dafür, dass das Stigma Scheitern verfestigt wird.

 

Scheitern berücksichtigen.

Niemand verliert oder scheitert gern. Jedoch ist es für ein stabiles Selbstbewusstsein brauchbar, bei einer Aufgabe auch die Option des Scheiterns zu berücksichtigen. Geschieht dies, ist es möglich, ohne Angst und Sorge zu agieren.

 

Abschließend noch ein Tipp für diejenigen die mit dem Gedanken spielen, sich selbständig zu machen. Neben all den Tipps und Ratschlägen von erfolgversprechenden Unternehmens- und Gründungsberatern ist es brauchbar, einmal mit einem Unternehmer oder Selbständigen zu sprechen, der gescheitert ist.

Fragen Sie nach dem Grund seines Scheiterns und fragen Sie, was er bei einem zweiten Versuch anders machen würde.

 

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