Zweifel wegen falscher Entscheidung

Zweifel wegen falscher Entscheidung

Verlasse ich meinen Partner oder bleibe ich bei ihm? Bewerbe ich mich auf die neue Stelle oder bleibe ich im Unternehmen und hoffe auf eine Beförderung? Kaufe ich die Eigentumswohnung/das Auto oder ähnliches oder lasse ich es bleiben?

Wer hat nicht auch schon einmal vor einer Entscheidung gestanden und sich gefragt, welche Wahl die richtige ist? Wir treffen sekündlich Entscheidungen. Unser Verhalten resultiert aus einer Abfolge von unbewussten und bewussten Entscheidungen. Manche fallen uns leicht und andere stellen uns vor schier unlösbare Aufgaben.

 

Entscheidungsfindung

Bei der Entscheidungsfindung greifen wir auf bereits vorhandene Erfahrungen zurück um die aktuellen Informationen zu bewerten und eine Entscheidung zu treffen. Nach António R. Damásio ordnet jeder Mensch jedem Begriff und jeder Erinnerung eine Art „emotionalen Marker“ zu. Durch diese emotionalen Marker weiß ein Mensch was und wen er mag oder auch nicht beziehungsweise bei welcher Erinnerung er eine angenehme oder unangenehme Erfahrung machte.

Es ergibt sich eine subjektive Gewichtung aller als Argument in Frage kommenden Informationen, die im Gedächtnis abgelegt sind. Man könnte auch sagen, in den emotionalen Markern sind die persönlichen Erfahrungen abgebildet.

Bei einigen Entscheidungen ziehen Menschen zusätzlich rationale Informationen hinzu, deren objektive oder vermutete Bedeutung sie mit ihren emotionalen Markern abgleichen können. Unter die rationalen Informationen fallen auch Glaubenssätze beziehungsweise Überzeugungen, Gebote, Gesetze jeglicher Art oder kurz gesagt, alles was über Jahre hinweg eindringlich genug vorgelebt, gelehrt und übernommen wurde.

Nach diesen selbstkreierten oder übernommenen Glaubenssätzen und Überzeugungen richten Menschen ihr Leben aus.

Zum Beispiel: Männer sind Schweine!

Die Musikgruppe „Die Ärzte“ besang mit ihrem Titel „Männer sind Schweine“ eine Überzeugung die in unserer Gesellschaft häufig vorkommt.

Nehmen wir einmal an, eine Frau lebt mit diesem Glaubenssatz. Auf welche Erfahrungen greift sie eventuell zurück?

Nachfolgend nur einige von fast endlosen Möglichkeiten:

  • Der Vater verließ die Familie und ließ sie damit im Stich.
  • Die Mutter hatte danach lediglich kurzfristige Beziehungen, in denen sie immer wieder verlassen wurde.
  • Aus Erzählungen ihrer Mutter weiß sie, dass man Männern nicht trauen kann.
  • Die eigenen Beziehungen hielten nie besonders lange.
  • Die Partner haben sich immer irgendwie daneben benommen.

Welches Bild wird sich diese Frau von Männern machen und wie wird sie sich bezüglich ihres Verhaltens gegenüber dem anderen Geschlecht entscheiden?

Die Beispielüberzeugung lässt sich auch aus der Männersicht betrachten und hinterfragen. Wie sieht ein Mann mit dieser Überzeugung sein eigenes Geschlecht und wie definiert er seine Rolle als Mann? Welche Entscheidungen trifft er im Umgang mit anderen Männern oder wie verhält er sich in einer Partnerschaft?

 

Arbeiten mit Überzeugungen/Glaubenssätzen

Um die eigene Entscheidungsfreiheit zu erweitern ist es empfehlenswert den einen oder anderen vorhandenen Glaubenssatz auf den Prüfstand zu stellen und zu hinterfragen.

Eine Möglichkeit hierzu ist die Diamond-Methode.

Schritt 1

  1. Formulieren Sie eine Überzeugung (Satz).
  2. Was ist das Gegenteil davon (GegenSatz)?
  3. Was ist SOWOHL Satz ALS AUCH GegenSatz? Oder was haben Satz und GegenSatz gemeinsam?
  4. Was ist WEDER Satz NOCH GegenSatz? Oder Was ist jenseits davon?

Schritt 2

Arbeiten Sie nun heraus, was durch die einzelnen Sätze ermöglicht und was verhindert wird.

  1. Was ermöglicht die Überzeugung (Satz)? – Was verhindert sie?
  2. Was ermöglicht das Gegenteil davon (GegenSatz)? – Was verhindert es?
  3. Was ermöglicht SOWOHL ALS AUCH? – Was verhindert es?
  4. Was ermöglicht WEDER NOCH? – Was verhindert es?

Schritt 3

Den Ausgangssatz wiederholen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird der Satz nun – wenn überhaupt – nur noch sehr inkongruent herausgebracht. Eventuell entsteht auch ein komplett neuer Satz.

Abschließende Frage: Wie fühlt es sich an?

 

Bildliche Darstellung der Schritte 1 und 2:

Diamond_Erklärung-001-001

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tipps zur Anwendung

Gerade bei der Frage nach der Verhinderung ist darauf zu achten, dass die Antwort positiv formuliert ist.

So wäre wenig gewonnen, wenn bei der Frage, was durch einen feste Beziehung verhindert wird, die Antwort kommt: Angst vor Einsamkeit wird vermieden.

Durch diese Antwort bleibt das alte Gut-Schlecht-Schema unangetastet.

Ein wirklicher Gewinn kommt dann zum Vorschein, wenn zum Beispiel mit: „Geborgenheit oder Gemeinsamkeiten leben“ etwas benannt wird, was für den Menschen tatsächlich von positiver Bedeutung ist.

Die Übung ist vor allem dann besonders mächtig, wenn die Antworten, die genannt werden, eine kognitive und eine gefühlsmäßige Bedeutung haben.

 

Workshop Selbstbehauptung für Frauen im Energym in Alzenau. Neue Termine im Juni!

 

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