Die Dilemmata der Entscheidungsfreiheit

In meinem Beitrag Autonomie zeigte ich auf welche Möglichkeiten innerhalb eines Kommunikationsprozess denkbar sind, um eine Situation an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Dies setzt jedoch voraus, dass durch eine Wahl eine Entscheidung getroffen wird. Welche Dilemmata mit der Freiheit der Entscheidung einhergehen, möchte ich Ihnen mit den folgenden Zeilen näherbringen.

Erstes Dilemma

Das erste Dilemma der Entscheidungsfreiheit besteht darin, entscheiden zu müssen. Die Freiheit, eine Entscheidung zu treffen wird zu einem Entscheidungszwang. Das widerspricht im Grunde der Idee der Freiheit, die mit den Entscheidungsmöglichkeiten verbunden ist. Mit den Möglichkeiten wachsen die Zwänge der Entscheidung, und damit sind noch nicht die Zwänge gemeint, die zu einer bestimmten Entscheidung hin drängen. Hier ein alltägliches Beispiel:

Nehmen wir an, ein Mensch geht in einen Supermarkt und möchte Cornflakes kaufen. Sicherlich gibt es über 1000 Sorten Cornflakes, aber irgendjemand möchte, dass unser Mensch nur 30 Sorten im Regal vorfindet. Unser Mensch könnte nun fragen, wo die anderen 970 Sorten Cornflakes sind (wenn wir der Einfachheit halber von 1000 Sorten ausgehen), und somit die vorhandene Vielzahl der Möglichkeiten steigern, was zu einem Entscheidungsverdruss führt. Mit der größeren Entscheidungsfreiheit wird der Verdruss größer, ständig entscheiden und dafür die Verantwortung übernehmen zu müssen. Mit der Erfahrung, eine Entscheidung treffen zu müssen, geht die Erfahrung einher, es nicht zu können.

Zweites Dilemma

Das zweite Dilemma der Entscheidungsfreiheit besteht darin, nicht entscheiden zu können. Unsere moderne Gesellschaft hat alles dafür getan eine Entscheidungsvielfalt sicher-zustellen. Jedoch ist das Wissen über das Können, eine Entscheidung vorzubereiten und zu treffen bei vielen Menschen ausbaufähig. Mit der Idee der Entscheidungsfreiheit ist schlicht auch die Aufklärung und Mündigkeit vorausgesetzt worden, die nötig ist, um eine eigene Entscheidung zu treffen. Bleiben wir bei dem Cornflakes-Beispiel: Welche Sorte ist denn nun die richtige für den Menschen in unserem Beispiel? Mangels Vorbereitung auf die Situation der Entscheidung kann durch die Vielzahl an Möglichkeiten und durch fehlende verlässliche Kriterien ein Zustand der Überforderung einsetzen, der eine Entscheidung verhindert, oder es kommt zu einem Entscheidungshopping. Der Mensch fragt sich: nehme ich nun diese Cornflakes, nein diese, nein, doch diese? Die Konsequenz ist, dass sich die Entscheidungen gegenseitig aufheben.

Die Cornflakes sind nur ein fiktives Beispiel. Fast sekündlich treffen wir Entscheidungen, bilden Präferenzen, setzen Prioritäten, ziehen Grenzen oder wollen einfach nur den richtigen Moment abpassen.

Selbst wenn es gelingt eine Entscheidung zu treffen, lauert bereits das nächste Problem. Denn jede Entscheidung für eine Möglichkeit bedeutet, sich in dem Moment gegen alle anderen Möglichkeiten zu entscheiden.

Drittes Dilemma

Das dritte Dilemma der Entscheidungsfreiheit besteht darin, sich mit der Entscheidung für eine Möglichkeit gegen alle anderen Möglichkeiten zu entscheiden. Wir leben in einer Zeit die eine Vielzahl an verlockenden Möglichkeiten bereithält, so dass die Versuchung nahe liegt, alle realisieren zu wollen. Da dies jedoch nicht möglich ist, bedeutet jede Entscheidung auch Verzicht, und der kann manchmal schmerzlich sein. So sehr der moderne Mensch fürchtet, in der Menge von Möglichkeiten zu ertrinken, so sehr liegt es ihm fern, auch nur auf eine einzige zu verzichten, geschweige denn durch eine selbst gewählte Reduktion die Entscheidungsmöglichkeiten einzugrenzen.

Was tun?

Niemand verlangt von uns, sämtliche Möglichkeiten zu realisieren, denn dafür reicht ein Leben nicht aus. Eher ist es sinnvoll, ausgewählte Möglichkeiten so weit wie möglich zu verwirklichen und hinzunehmen, dass vieles offenbleibt.

Souveränes Verhalten ist lernbar!

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