Eine Frage als Antwort?

 

Neben Perfektionisten glauben auch viele andere Menschen, auf eine gestellte Frage immer eine Antwort – und am besten sofort – geben zu müssen. Selbst in Situationen, in denen mehrere Antwortmöglichkeiten bestehen oder tiefergehende Informationen für eine weiterführende Antwort fehlen, wird vorschnell geantwortet, ohne zu hinterfragen.

Häufig geschieht dies aus dem Glauben heraus, eine Gegenfrage oder eine Frage zum tieferen Verständnis könnte als ein Zeichen von Inkompetenz angesehen werden.

 

Von klein auf

Woher kommt diese Annahme, sofort eine Antwort parat haben zu müssen?

In den meisten Organisationen, wie auch in privaten Bereichen in denen es eine Hierarchie oder ein Abhängigkeitsverhältnis gibt, treffen wir häufig auf eine Kultur des Abfragens, und weniger auf eine Fragekultur welche auf Neugier basiert.

Von klein auf, spätestens jedoch mit Eintritt in das Schulsystem, sind wir mit der Abfragekultur konfrontiert und angehalten, vorher gelerntes Wissen auf die gestellten Fragen wiederzugeben.

Jetzt könnten wir annehmen, dass mit dem Eintritt in das Erwachsenenalter beziehungsweise in das Arbeitsleben für ein Individuum ein Kulturwandel stattfindet.

Fragen Sie sich an dieser Stelle bitte selbst, aus welcher Intention heraus Ihnen im Alltag Fragen gestellt werden beziehungsweise wie Sie Fragen stellen. Ist es Neugier und Interesse an dem Menschen oder Abfragen von Wissen?

 

Die Gegenfrage als Antwort

Eine Gegenfrage ist in vielen Fällen eine sinnvolle Option. Wenn ich mit meinen Kunden wichtige Gespräche wie Vorstellungsgespräche, Personalgespräche oder Beziehungsgespräche übe, beobachte ich häufig, dass auf meine Fragen zu schnell und oberflächlich geantwortet wird. Eine Gegenfrage kann hier hilfreicher und zielführender sein.

Ideen für Fragen und Informationen zu Fragearten und deren Vorteile finden Sie hier: Fragen helfen

 

Neugierig und mutig

Seien Sie dem gegenüber, was Sie zu wissen glauben, vorsichtig und vermeiden Sie schnelle Antworten auf gestellte Fragen.

Mit einer Frage zu antworten ist keine leichte Aufgabe und bedarf des Trainings.

Probieren Sie sich aus.

Seien Sie mutig, neugierig und stehen Sie zu Ihrem Nichtwissen.

Mit einer gegebenen Antwort kann ein Kommunikationsprozess beendet sein. Mit einer Frage bleiben Sie anschlussfähig.

 

Souveränität ist lernbar!

Referenzen und Kundenmeinungen:

3 Antworten auf Eine Frage als Antwort?

  • Thomas sagt:

    Vielen Dank Herr Hupke!
    Ich arbeite in einer Firma mit +11000 Mitarbeitern und generell ist Kommunikation einer der wichtigsten Themen der Leitung, wo im heutigen neuen Zeitalter nach Lösungen gesucht wird.

    Unterschiedlichste Modelle werden ausprobiert und gerade deshalb finde ich, sollte die Neugier und der Mut Platz finden.
    Die Gegenfrage, die nicht versucht sich seiner Verantwortung zu entziehen, sondern die versucht sich mit der immensen Komplexität auseinanderzusetzen und hier Lösungen zu finden, die eben nicht schwarz-weiß oder oberflächlich sind.

    Danke für den Artikel und um natürlich unsrer Thematik treu zu bleiben, hier die Gegenfrage:
    wie könnte in einer Gesprächsführung das Element der Gegenfrage auf natürliche Weise platziert sein und dem Gegenüber ein Ort der „Sicherheit“ gegeben werden, dass er durch „Nichtwissen“ aber dem Drang der Neugier mutig ist und es ausprobiert. Hier denke ich vor allem auch an die asiatischen, indischen und anderen fernöstlichen Mitarbeiter, wo Scham und „gut dastehen“ große Herausforderungen dafür sein werden.

    Grüße,
    Thomas

    • Peter Hupke sagt:

      Lieber Thomas,

      vielen Dank für Ihren Beitrag und das Teilen Ihrer beruflichen Erfahrung.
      Sie stellen eine interessante und wichtige Frage, da eine Gegenfrage in einem Kommunikationsprozess in der Tat leicht eine abwehrende Haltung erzeugen kann.

      Es ist hilfreich einer Gegenfrage einen Grund als Einleitung voranzustellen.
      Zum Beispiel:
      – Ihre Ausführungen sind hoch interessant und damit ich Ihnen mit meiner Antwort weiterhelfen kann, gestatten Sie mir an dieser Stelle eine Frage…
      – Ihre Frage ist in der Tat berechtigt. Ich bitte Sie, mir noch eine oder zwei Information/en für eine stimmige Antwort zu geben…
      – Das ist interessant. Ich bin mir jedoch noch nicht sicher, ob ich Ihre Frage zielführend beantworten kann. Gestatten Sie mir daher eine Verständnisfrage…
      – Was Sie sagten lässt sich in mehrere Richtungen beantworten. Geht es Ihnen um x, y oder z?

      Das Prinzip basiert auf drei Schritten.
      1. der Anerkennung des Gesagten
      2. der Darstellung das für eine Antwort noch Informationen fehlen
      3. die Gegenfrage

      Beantworten meine Zeilen Ihre Frage? 😉

      Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen zweiten Advent und eine gute Zeit

      Peter Hupke

      • Peter Hupke sagt:

        In meiner ersten Antwort habe ich einen Teil außer Acht gelassen, den ich nun ergänze.
        Die Haltung, aus der eine brauchbare Gegenfrage gestellt wird, ist die der Neugier und dem Interesse an der Sache beziehungsweise dem Gegenüber.
        Jetzt gibt es in der Tat Menschen oder auch Kulturkreise, für die das Stellen einer Gegenfrage mit Scham belegt ist, da es eine gewisse Unwissenheit oder auch Unsicherheit signalisiert.
        Hier greife ich als Motivation für die Vermeidung einer Gegenfrage einmal das Genannte „gut dastehen“ auf.
        Eine Möglichkeit, um diesen Menschen innere Sicherheit für eine Gegenfrage zu geben ist, ihnen zu verdeutlichen, dass sie durch gezielte Gegenfragen von der Gegenseite als Experten wahrgenommen werden und so noch gezielter ihre Kompetenz zeigen können.

        Ich denke, ich habe nun beide Teile der Frage beantwortet.

        Einen schönen zweiten Advent

        Peter Hupke

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