Fragen an den Coach

Die Zeitschrift Auszeit hat im Rahmen ihrer Rubrik „zu sich finden“ eine Umfrage unter Coaches durchgeführt, zu der ich auch eingeladen wurde. In diesem Artikel finden Sie die an mich gestellten Fragen und meine Antworten, die Ihnen einen Einblick in mein Verständnis von Coaching ermöglichen.

 

  • Coaches wie Sie helfen Menschen dabei, mit den Schwierigkeiten in ihrem Leben zurecht zu kommen. Speziell in Ihrem Bereich: Welche Fragen und Probleme werden am häufigsten an Sie herangetragen? Gibt es dort Trends zu beobachten?

Coaching:

Durch meine Spezialisierung auf die Themen Perfektionismus und Selbstkritik finden überwiegend Menschen ihren Weg zu mir, die unter ihrem Perfektionismus leiden und liebevoller im Umgang mit sich selbst und anderen sein möchten. Von meinem Standpunkt aus sehe ich einen wachsenden Anspruch an die eigene Leistungsfähigkeit und die damit verbundene Selbstausbeutung.

Psychotherapie:

Als Heilpraktiker, eingeschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie, habe ich mich auf die Arbeit mit Angststörungen und Belastungsstörungen spezialisiert. Bei den Angststörungen sind in den vergangenen zwölf Monaten in meiner Praxis vermehrt Menschen mit Verlust- und Versagensängsten vorstellig geworden.

 

  • Gibt es ein Thema oder eine Frage, die typisch für die heutige Zeit sind, oder beschäftigt die Menschen heute das Gleiche wie vor 20, 50 oder auch 100 Jahren?

Aus meiner Sicht ist es der Hang zum Perfektionismus und das „Sich selbst in Frage stellen“, was in unserer heutigen Gesellschaft zugenommen hat. 

 

  • Warum, glauben Sie, nehmen heute so viele Menschen Hilfe von Coaches in Anspruch? Haben wir – zumindest zu einem gewissen Teil – einfach verlernt, selbst mit unseren Problemen zurecht zu kommen?

Die Fähigkeit mit den eigenen Problemen zurecht zu kommen, beinhaltet als eine mögliche Option den Austausch mit Außenstehenden, um zu einer brauchbaren Lösung zu kommen. Die Inanspruchnahme der Hilfe eines Coaches ist meines Erachtens weniger der Verlust einer Fähigkeit, sondern vielmehr ein Zugewinn, der die Erweiterung der eigenen Grenzen ermöglicht. 

 

  • Welche Angebote können Sie überhaupt machen, wenn jemand mit einem Problem an Sie herantritt? Was können Sie leisten und wo liegen die Grenzen, in denen Sie sich bewegen können?

Ich nutze gern folgende Metapher, um meine Arbeit näher zu erläutern: Stellen Sie sich vor, Sie möchten über eine Mauer klettern, die aber zu hoch ist. Die Mauer ist unendlich lang, so dass es zu zeitaufwändig ist, drum herum zu laufen. Sich unter der Mauer durchzugraben ist auch keine Option, da Sie keine Schaufel haben und nicht wissen, wie tief die Mauer in die Erde eingelassen ist. Es geht nur über die Mauer drüber. Sie sehen mich an der Mauer stehen und ich unterstütze Sie, indem ich eine Räuberleiter mache und Ihnen eventuell ein klein wenig Schwung gebe. Jedoch klettern müssen Sie selbst.

Wenn Sie oben auf der Mauer angekommen sind, reiche ich Ihnen einen Rucksack hoch, in dem Sie Proviant, Seil, Steigbügel, Lampe und Schaufel finden.

Nur für den Fall, dass Sie wieder einmal vor einer Mauer stehen.

 

  • Welche Rolle spielen praktische Tipps und Übungen bei Ihrer Arbeit? Haben Sie vielleicht auch einen Tipp für die Leser, wie man vermeiden kann, dass anfängliche Fragen oder Schwierigkeiten sich zu handfesten Problemen auswachsen?

Geht es in einem Coachingauftrag zum Beispiel um die Stabilisierung und um angemessenes Verhalten bei Mobbing am Arbeitsplatz, sind Tipps wie die parallele Konsultation eines Arbeitsrechtlers und Übungen zum Aufbau der Fähigkeit zur Selbstbehauptung immens wichtig. Tipps beziehungsweise Empfehlungen spielen daher eine große Rolle. Sie öffnen den gedanklichen Rahmen und ermöglichen dadurch das Finden von weiteren Lösungsoptionen. Übungen unterstützen die Vertiefung des im Coachingprozess erarbeiteten Inhaltes. Durch sie wird eine Integration im Alltag gefördert.

Tipp:

Nehmen Sie sich täglich fünf bis zehn Minuten Zeit, in denen Sie Ihre Resilienzfähigkeit ausbauen.

Eine Übung hierzu ist “Positiver Sinn”:

Einmal pro Tag, am effektivsten kurz vor dem zu Bett gehen, nehmen Sie sich 5 bis 10 Minuten Zeit und beantworten sich selbst die zwei nachfolgenden Fragen.

  1. Welcher positive Sinn liegt im…

– schlimmsten 

– besten

– scheinbar unwichtigsten

…Ereignis des Tages?

  1. Worauf freue ich mich morgen?

Der Effekt der Übung liegt darin, dass belastende Ereignisse noch einmal betrachtet werden und die Möglichkeit zur Verarbeitung erhalten. Des Weiteren wird die Aufmerksamkeit auf vergangene angenehme Erfahrungen des Tages gelenkt, und es findet eine freudige Ausrichtung auf den nächsten Tag statt.

 

  • So unterschiedlich Ihre Kunden sind: Woran messen Sie Ihren Erfolg?

Anhand von Befragungen und den Rückmeldungen meiner Kunden. Nach 4 bis 6 Monaten frage ich meine Kunden, wie die erarbeitete Lösung in den Alltag integriert wurde und welche Veränderungen sich eingestellt haben.

 

  • Inwieweit haben moderne Medien wie Facebook und Co. sowie die dafür genutzte Technik Ihre Arbeit beeinflusst und verändert? Machen sich diese auch bei den Problemen Ihrer Patienten/ Kunden, vielleicht speziell der jüngeren Generationen, bemerkbar?

Soziale Medien setze ich zu Informationszwecken ein, um mit meiner Zielgruppe in Kontakt zu treten. Videokonfernzdienste wie zum Beispiel Skype ermöglichen es mir  mit Kunden zu arbeiten die mehrere hundert Kilometer von mir entfernt sind.

 

  • Seit einigen Jahren ist vor allem der Begriff „Achtsamkeit“ in aller Munde. Was glauben Sie: Ist „Achtsamkeit“ nur ein neues Modewort, mit dem heute möglichst viel etikettiert wird, oder tatsächlich in neuer Weg der uns lehrt, unserer Umwelt wieder mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung zu schenken?

Achtsamkeit ist weder ein Modewort noch ein neuer Weg. Achtsamkeit wird von jedem Menschen individuell gelebt. Dass das Thema Achtsamkeit in letzter Zeit in den Mittelpunkt rückte, liegt meines Erachtens an der Zunahme von affektiven Störungen in unserer Gesellschaft. In der Therapie wird mit dem Patienten unter anderem an der eigenen Wahrnehmung gearbeitet. Dadurch lernt der Patient seine vergessene oder verdrängte Achtsamkeit neu kennen. Was einem Menschen aus einer Krankheit oder einer belastenden Situation hilft, kann leicht verändert auch prophylaktisch unterstützen.  

 

  • Auch Entschleunigung ist dieser Tage ein großes Thema. Sich regelmäßig eine Auszeit gönnen, das klingt in der Theorie simpel, doch für viele Menschen ist das im Alltag nur schwer oder gar nicht möglich. Haben Sie einen Tipp, wie es auch im größten Stress gelingen kann, kurz loszulassen und runterzufahren?

So wie Sie Termine im beruflichen und privaten Umfeld planen, planen Sie täglich 5 bis 15 Minuten für Ihre Auszeit ein. Beschäftigen Sie sich in dieser Zeit mit Dingen die Ihnen Freude bereiten. Dadurch tanken Sie auf. Für den einen oder anderen Leser mag sich dies zu einfach lesen. Jedoch ist es schwer, einfach zu sein.

 

  • Sie verdienen als Coach Ihr Geld, doch heute müssen Interessenten gar nicht mehr zwingend zu einem Coach gehen, wenn sie Hilfe brauchen. Es gibt zahlreiche Ratgeberzeitschriften, und auch das Internet ist voll von Ratschlägen und Tipps. Was halten Sie persönlich von dieser „Konkurrenz“?

Für mich besteht hier keine Konkurrenz. Das Internet, Bücher und Zeitschriften können Informationen liefern und hilfreich die eigene Entwicklung unterstützen. Jedoch sind hier Grenzen gesetzt, die in einem Coaching durch die Interaktion zwischen Coach und Coachee aufgebrochen werden können.  

 

Souveränes Verhalten ist lernbar!

Kundenmeinungen zu meiner Arbeit: 

 

 

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