NEIN ist ein ganzer Satz!

NEIN ist ein ganzer Satz!

Es ist kurz nach 17:00 Uhr, die Präsentation für den morgigen Kundentermin ist noch nicht fertig. In den vergangenen Tagen wurde die Arbeit mehrfach begonnen und genauso oft abgebrochen weil jedes Mal etwas dazwischen kam. Besprechungen mit Kollegen aus anderen Unternehmensbereichen, Bitten von Kollegen um Unterstützung in laufenden Projekten, Anforderungen von Kunden oder Lieferanten und die Auswertungen für den Vorgesetzten. Und wie fast immer wird die Arbeit unter Stress auf den letzten Drücker gemacht.

Ein Mitarbeiter aus dem benachbarten Büro kommt mit einer Akte in den Händen zaghaft in den Raum. „Was kann ich für Sie tun?“ ist die höfliche Frage zum Einstieg. „Es geht um die Aufstellung der Werbemaßnahmen für das kommende Quartal. Wir haben morgen den letzten Abgabetermin und es fehlen noch einige Kalkulationen.“

„Wie, Sie hatten 8 Wochen Zeit und jetzt kommen Sie fünf vor zwölf zu mir!? Ich habe hier auch den Tisch voller Arbeit und keine Ahnung wann ich das machen soll!“ Der Kollege windet sich, er wisse das ja und es sei ihm unglaublich unangenehm, aber er wisse nicht, wen er stattdessen fragen könnte.

Das Telefon klingelt und genervt wird die Akte dem Kollegen mit dem Satz: „Geben Sie schon her, wenn bei Ihnen im Büro dazu niemand in der Lage ist….“, aus den Händen genommen. Die Überstunden für diesen Abend sind somit gebucht und das Stressbarometer steigt wieder einmal an.

 

Was hindert daran höflich und bestimmt eine Grenze zu ziehen, also „Nein“ zu sagen?

 

Ich bin doch perfekt!

Vor allem Perfektionisten fällt es schwer eine Grenze zu ziehen. Der Gedanke eine Bitte abzulehnen, also einmal nicht „perfekt“ zu sein, macht das kleine Wörtchen NEIN fasst unmöglich.

Aus dem Anspruch heraus alle Aufgaben übernehmen zu können und immer 100% Leistung zu bringen beziehungsweise es allen recht zu machen, geht der Perfektionist lieber über seine eigenen gesundheitlichen Grenzen, als selbst Grenzen zu ziehen. Die Gefahr nicht mehr gemocht zu werden löst mehr Angst aus, als die Folgeschäden von ständiger Überlastung.

 

NEIN ist ein ganzer Satz!

Durch die Sozialisation in unserem Kulturkreis sind wir es gewohnt unser Handeln zu begründen und durch Argumente zu untermauern. Dem Einwortsatz „Nein“ folgt in der Regel die Aufforderung, diesen zu begründen, obwohl dieser Satz keiner weiteren Erklärung bedarf.

Das Nein-Sagen will geübt sein, da es mit dem Gedanken, „nicht perfekt zu sein“ beziehungsweise „nicht mehr geliebt zu werden“ einhergeht. Nein-Sagen ist jedoch lernbar.

Die erste Herausforderung besteht darin, nach der Nein-Botschaft eine Pause zu machen, um dem Gegenüber die Möglichkeit der Verarbeitung zu geben. Die zweite Herausforderung ist, den Gedanken des vermeintlichen Liebesentzugs beziehungsweise der eigenen Fehlbarkeit auszuhalten.

 

Seminar am 07.05.2016: Perfektionismus zielführend und stressfrei einsetzen

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