Perfektionisten und das Burnout-Syndrom

Perfektionisten sind durch ihre Auffassung von hoher Arbeitsqualität und Arbeitsleistung besonders anfällig für das Burnout-Syndrom. Einem Burnout geht ein schleichender Prozess voraus, der sich über Monate oder gar Jahre hinziehen kann. Häufige Ursachen für ein Burnout-Syndrom sind eine Mischung aus chronischer Überlastung, Stress und Frustration in Bezug auf Arbeitsleistung und Arbeitsqualität, drei Bereiche in denen Perfektionisten Kernkompetenzen besitzen.

Perfektionismus und die zwölf Burnout-Phasen nach Freudenberger

Der Psychologe Herbert Freudenberger entwickelte im Rahmen seiner Arbeit ein Zwölfstufen-Modell zur Beschreibung des Burnout-Syndroms. In der Praxis lassen sich diese Phasen nicht klar voneinander abgrenzen. Sie vermischen oder überlagern sich häufig.

  1. Zwang sich selber beweisen zu müssen

Der Wunsch erfolgreich zu sein schlummert in jedem Menschen irgendwo. Daher ist diese Phase am schwierigsten zu erkennen. Gerade Perfektionisten neigen dazu, sich jeden Tag in verschiedenen Lebensbereichen immer aufs Neue beweisen zu müssen. Schnell kann ein Zwang entstehen immer einhundert Prozent Leistung zu erbringen, damit die übertriebenen Erwartungen an sich selbst erfüllt werden.

 

  1. Verstärkter Einsatz

In dieser Phase wird der Perfektionismus bereits zwanghaft. Aus Angst, die Kontrolle zu verlieren wird mit akribischer Sorgfalt und überhöhtem Engagement agiert. Ein Warnsignal ist die Unfähigkeit, Aufgaben zu delegieren.

 

  1. Vernachlässigung eigener Bedürfnisse

In dieser Phase werden Pausen als überflüssig erachtet. Die Ernährung läuft so nebenher oder wird sogar phasenweise ganz vernachlässigt. Kleine Freuden und alltägliche Pflichten, wie zum Beispiel Spaziergänge oder ein Schaumbad werden als lästig und störend empfunden.

 

  1. Verdrängung von Konflikten

Auf dieser Stufe kann es häufig zu einer Suchtentwicklung kommen. Der Perfektionist merkt langsam, dass sein Verhalten ganz und gar nicht förderlich für seine Gesundheit ist, und seine Ratio sagt ihm, dass er etwas ändern muss. Jedoch stellt er seine Bedürfnisse hinter die Erwartungen an seine Leistung. Der „perfekte Schein“ verliert seinen Glanz und der Perfektionist beginnt sich zurückzuziehen. Denn niemand darf wissen, wie es ihm wirklich geht. In der Einsamkeit kann es zu einer Suche nach Trost durch Rauschmittel kommen.

 

  1. Umdeutung von Werten

Bestehende Werte verlieren an Gültigkeit, wodurch eine emotionale Desorientierung entsteht. Zu beobachten ist, dass hier der Perfektionist in seinem Aktionismus Wichtiges nicht mehr von Unwichtigem trennen kann. Der Perfektionist verliert sowohl Vergangenes als auch Zukünftiges aus dem Blick. Es zählt nur noch die Gegenwart und die schnelle Erledigung der vorhandenen Aufgaben.

 

  1. Verleugnung von Problemen

Die Vernachlässigung von persönlichen Bedürfnissen nimmt zu. Weiterhin entwickelt der Perfektionist einen Zynismus, der sowohl ihm als auch seinem sozialen und beruflichen Umfeld das Leben schwer macht. Durch die Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse und die Veränderung der Interaktion nehmen die Probleme zu, welche jedoch von dem Perfektionisten aus einem Schutzmechanismus heraus verleugnet werden.

 

  1. Rückzug

Zu der emotionalen Orientierungslosigkeit des Perfektionisten kommt auf dieser Stufe ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit hinzu. Es herrscht eine Desillusionierung, die zu einem Rückzug von sich selbst und der Umwelt führt.

 

  1. Beobachtbare Verhaltensänderung

In dieser Phase gibt es eine gestörte Wahrnehmung, was Unterstützung, Aufmerksamkeit und Nähe angeht. Zuwendungen werden als Angriffe gewertet. Perfektionisten sind grundsätzlich wenig kritikfähig. Auf dieser Ebene eines Burnouts wird jedoch jede Interaktion als Kritik empfunden, die in einem Konflikt enden kann.

 

  1. Gefühl, die eigene Identität zu verlieren

Der letzte Rest des Gefühls für die eigene Persönlichkeit geht verloren. Eigene Bedürfnisse werden gar nicht mehr wahrgenommen. Es folgt eine tiefe Selbstverneinung und eine Ablehnung des eigenen Körpers und der Person.

 

  1. Innere Leere

Die eigene Identität macht einer inneren Leere Platz, die mit Phobien und Panikattacken einhergehen kann. Betroffene fühlen sich ausgezehrt, erledigt und nutzlos. Das Etablieren beziehungsweise Intensivieren eines Suchtverhaltens ist auf dieser Stufe stark ausgeprägt.

 

  1. Depression

In dieser Phase nimmt ein Perfektionist häufig nur noch Verzweiflung und Erschöpfung war. Ihm ist alles egal. Motivation und Eigeninitiative sind am Nullpunkt angekommen und depressive Symptome manifestieren sich.

 

  1. Burnout Syndrom

An diesem Punkt ist die geistige, emotionale und körperliche Erschöpfung lebensgefährlich. Die ursprünglichen Zwänge und damit verbundenen Ziele haben sich aufgelöst. Häufig sehen die Betroffenen an dieser Stelle keinen Sinn mehr weiterzuleben. Häufig bricht auch das Immunsystem zusammen und ernsthafte Erkrankungen sind das Resultat.

 

Wie ich eingangs schrieb, sind vor allem Menschen mit perfektionstischen Verhaltenszügen Burnout gefährdet. Jedoch kann dieser Erschöpfungszustand auch von Menschen erreicht werden, die in Selbstaufgabe kontinuierlich über ihre physischen und psychischen Grenzen gehen.

Raus aus der Perfektionismusfalle! 

Kundenmeinungen zu meiner Arbeit: 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.