Von mir erwarte ich viel, bei anderen bin ich nachsichtig

Im Mai 2012 schrieb ich den Blogbeitrag „Willst du Recht haben oder glücklich sein? Beides gleichzeitig geht nicht.“, in dem ich das Thema Fehlersensibilität, welches auf der Ebene der perfektionistischen Besorgnis angesiedelt ist, näher betrachtete.

In den letzten beiden Jahren ist mir in meinen Perfektionismus-Seminaren und Coachings ein weiterer, für mich bis dato neuer Aspekt der Fehlersensibilität aufgefallen.

 

Wenn andere Fehler machen

Perfektionisten haben einen messerscharfen Blick auf die eigenen (vertiefende Informationen finden Sie in dem oben erwähnten Artikel) und auf die Fehler der Menschen in ihrem direkten Umfeld. Neben dem perfektionistischen Verhalten, diese Fehler direkt anzusprechen und (belehrende) Ratschläge zu geben, gibt es die Tendenz, mit den gemachten Fehlern anderer nachsichtig zu sein.

Was sich an dieser Stelle wie ein souveränes und tolerierendes Verhalten liest, geschieht bei einem Menschen mit einem perfektionistischen Verhaltensmuster jedoch aus einer anderen Motivation heraus.

 

Trauen Sie anderen die gleichen Leistungen zu?

Die Aussage „Von mir erwarte ich viel, bei anderen bin ich nachsichtig,“ begegnet mir gleichermaßen sowohl im privaten als auch im beruflichen Coachingkontext. Die hier mitschwingende Fehlertoleranz gegenüber den Menschen im direkten Umfeld lässt sich an dieser Stelle mit der Frage „Trauen Sie den anderen die gleiche Leistung/Kompetenz zu wie sich selbst?“ abfragen. Die wenigsten beantworten die Frage mit Ja. Meist lautet die Antwort „Nein, ich traue anderen nicht zu, meinen Leistungsstandard zu erfüllen“. Ein Perfektionist erhebt sich und seine Leistungen mit dieser Aussage über andere.

 

Anmaßend

Mit der weiteren Ausführung „Nein, ich traue anderen nicht zu, meinen Leistungsstandard zu erfüllen,“ steht die Aussage „Bei anderen bin ich nachsichtig,“ eines Perfektionisten in einem anderen Licht da. Die oberflächlich tolerante Haltung weicht einer tiefer liegenden anmaßenden Haltung, die mit einem Glaubenssatz wie „Ich bin besser als du und weiß ja, dass du das nicht kannst,“ einhergehen kann. Mit diesem oder einem ähnlich klingenden Glaubenssatz geht ein mangelndes oder gar nicht vorhandenes Vertrauen in die Fähigkeiten anderer Menschen einher. Perfektionisten senden auf diese Weise eine Doppelbotschaft, die die Souveränität des Gegenübers untergräbt und die bestehende Beziehung belastet. Die Nachsichtigkeit, die ein Perfektionist aus einer anmaßenden Haltung heraus übt, beinhaltet noch einen weiteren beziehungsbelastenden Aspekt. Sie kann zur Regulierung von Distanz dienlich sein.

 

Was tun?

Wenn Sie sich beim Lesen der vorhergehenden Zeilen wiederfinden, besteht eine Möglichkeit, wenn Sie Ihren Glaubenssatz identifiziert haben, darin, ihn mit dem Diamond-Format zu bearbeiten, das Sie hier finden: Zweifel wegen falscher Entscheidung.

 

Bei Fragen einfach fragen

 

Hier geht es zum Online-Coaching: Raus aus der Perfektionismusfalle! 

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