Wen lassen wir über uns bestimmen?

Unser Alltag wird nicht nur von Gefühlen sondern auch von Gedanken maßgeblich bestimmt. Unsere subjektiven Denkprozesse konstruieren wir aus Erfahrungen, Prägungen, Wissen, Erziehung, Veranlagungen und gesellschaftlichen Einflüssen.

Durch ihren Denkstil können Menschen ihr Wohlbefinden und ihre berufliche Leistungsfähigkeit beeinflussen. Oder anders ausgedrückt, Stress oder Erfolg entstehen im Kopf. Mentale Strategien, die für den Leistungssport entwickelt wurden, sind hilfreich um dem eigenen Denken eine Richtung zu geben.

 

Ein Beispiel aus der Praxis:

Der Abteilungsleiter, Herr A., hat von seinen Mitarbeitern verheerende Beurteilungen erhalten. Er sei arrogant, besserwisserisch und verlange von seinen Mitarbeitern zu viel. Herr A. wiederum hält seine Mitarbeiter für überempfindlich und träge.

Er selbst erlaubt sich keine Schwächen und fährt auch schon mal krank ins Büro. Der nagende Ärger ist Herrn A. nur zu bewusst. Er teilt mir im Coaching auch seine Gedanken dazu mit: „Einer muss die Verantwortung ja übernehmen. Ich müsste mich weniger ärgern, wenn meine Mitarbeiter ordentlich arbeiten würden. So muss ich ständig alles kontrollieren und korrigieren.“

Das Wort „muss“ fällt auffällig oft. Die Unzulänglichkeiten der Mitarbeiter stehen im Mittelpunkt der Gedankenwelt von Herrn A. Er vertritt auch die Meinung, er könnte ein gelasseneres Leben haben, wenn seine Mitarbeiter ihre Arbeit richtig machen würden.

Als ich Herrn A. frage, aus welchen Gründen denn die anderen so perfekt sein müssen, antwortet er prompt „Ich muss es schließlich auch sein!

„Wer bestimmt das denn?“, frage ich.

Herr A. stutzt. „Na ja, mein Chef hat mich eingestellt, weil ich Ordnung in die Abteilung bringen soll. Und ihn will ich nicht enttäuschen.

„Okay, und wer bestimmt noch, dass Sie viel leisten müssen?“, frage ich.

„Na ja, ich natürlich“, sagt Herr A. „Das ist mein Anspruch. Alles andere verachte ich. Ganz oder gar nicht. Wenn schon, dann richtig. Selbst kleine Fehler sind Fehler die es zu vermeiden gilt, ist meine Devise.

Es ist natürlich unglaublich anstrengend, diesen hohen Anspruch täglich zu erfüllen.

„Als neulich ein Mitarbeiter früher nach Hause ging, weil er sich nicht gut fühlte, da dachte ich: Der kann sich jetzt ausruhen und ist raus aus der Tretmühle.”

Hier standen nun zwei widersprüchliche Gedanken von Herrn A. im Raum:

  • der Gedanke, ich muss Leistung bringen
  • und der unterdrückte Gedanke, dem Hamsterrad zu entsteigen und es sich leichter zu

Herr A. begriff, wie viel Energie ihn sein Denkstil kostet und dass der überzogene Leistungsanspruch dabei war, ihn in eine Spirale der Erschöpfung zu ziehen.

 

Ein anderer Gedanke

Mit dieser Erkenntnis konnte Herr A. andere Gedanken formulieren:

  • Um Leistung zu bringen, gönne ich mir Pausen.
  • Um Leistung zu bringen, brauche ich Erholung.

Zu der Wichtigkeit von Pausen und Erholungsphasen lesen Sie hier mehr: Heute schon Pause gemacht?

Ich mache Herrn A. auf sein gewähltes Motto aufmerksam und dass „Wenn schon, dann aber richtig” auch für die Selbstführsorge gilt.

Das Denkmuster „Ich will Leistung bringen“ ist dann zielführend, wenn durch einen Gegenpol die Balance sichergestellt wird.

So wie sich Licht und Schatten ergänzen, ergänzen sich Leistung und Erholung.

Herr A. entwickelt für sich abschließend die Idee: Ich kann Leistung bringen und darf mich erholen.

Hier geht es zum Online-Kurs: Raus aus der Perfektionismusfalle! 

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